09/06/2016 08:47

Über die Umstände der Zustände

Das groß- und kleinkalibrige Dauerfeuer aus allen medialen Rohren über die Gefahren, Bedrohungen, gesellschaftliche Verwerfungen oder auch makroökonomischen Vorteile, die durch die aus ihren zerstörten oder kaum noch existierenden Heimatländern ins scheinbar sichere Europa strebenden Flüchtlinge und Asylbeantragenden, ist offensichtlich bei allen, die sich an der kontrovers verlaufenden verbalen Auseinandersetzung beteiligen, nicht nur zu einem Kommunikationsbrei ungenießbarer Art geworden, sondern außer Kontrolle geraten. Kaum noch jemand kann mit gutem und bestem Wissen und Gewissen für sich herausfinden und unterscheiden, inwieweit Ursachen und Wirkungen einander bedingen oder sich konträr verhalten. Diese als „Staatskrise“ bezeichnetes, ganz Europa betreffendes und herausforderndes 
Phänomen, welches keineswegs über Nacht über uns hereingebrochen und die von den wenigsten durchschaut werden , wie wirklich alles entstanden ist. 

In der zwangsläufig verkürzten Darstellung, die über Printmedien, Fernsehen oder digitale Kanäle verbreiteten Darstellungen, sind ohnehin immer eine viel zu komprimierte Art der Kommunikationsübertragung, da der Informationsbildung nur soviel Raum und Zeit zur Verfügung steht, wie eine 36seitige Tageszeitung oder eine fünfzehn minütige Nachrichtensendung zu leisten vermag. Das böse, ja unheilvolle und berüchtigte Wort der „Lügenpresse“, welches sich als ausgekotzte Diffamierung über den Diskurs ergossen hat, ist das Resultat einer sich widersprechenden oder unklar argumentierenden Kommunikation, die alle Medien beherrscht. Ein großer Teil dessen, was den gutgläubigen Menschen als Information angeboten wird, besteht aus Oberflächenbegutachtung, ähnelt dem Zuschauen beim Bohren dünner Bretter und setzt sich aus zynischer Ignoranz gegenüber dem Faktor „Mensch“ als aktives und passives Subjekt in der öffentlichen Darstellung zusammen. Oder wie die Wirtschaft bezüglich ihrer Prioritäten innerhalb der Profitmaximierung formuliert: den „human ressources“. Genauer gesagt besteht die herrschende Informationsstimmung in den meisten Fällen, sodass man ungläubig den Kopf schütteln muss oder sich fremd schämt, aus semantischen und inhaltlichen Fehlgriffen, ohne damit irgend jemanden in den unterschiedlichen Pressezentren demokratischer Staaten unterstellen zu wollen, dass bewusst gelogen, gefälscht oder verdreht wird. 

Selbst die „Meinungs bildende“ Bildzeitung, wie sie sich selbst bewirbt und mit dieser Aussage de facto nicht unrecht hat, kann und darf von vorne herein nicht der Lüge bezichtigt werden, selbst wenn Schlagzeile und Fließtext schon nach einem haut gout riechen. Zugegebenermaßen ist es zuweilen fragwürdig, wie deren Informationskosmetik verbal verpackt wird und was oft einfach unterlassen oder besser gesagt, weggelassen wird. Wie diese Arithmetik oder inzwischen der Algorithmus der Botschaften und Worte indes bei den Zielgruppen ankommt, kann wie bei der berühmten Karikatur „das Gerücht“ Gefühle und Befindlichkeiten lostreten oder Ideen wie Verschwörungstheorien aufkochen lassen, die dann von den Verantwortlichen nach eigener Aussage nicht so gewollt waren. Die absolute Dreistigkeit heißt dann: „Mausrutscher“, aber das kroch aus dem Munde einer adligen Politpetitesse. 

Wer der Meinung nachhängt, es reiche aus, derartig komplexe Zeiterscheinungen wie die derzeitige Migrationsbewegung, das politische Hick-Hack um Obergrenzen und Integrationsszenarien und den daraus resultierenden Volksfrust einiger weniger Lautsprecher und vieler „Manwirddochnochsagendürfender“ über einzelne Zeitungsberichte oder Nachrichtenmeldungen zu verstehen, verkennt, dass Verstehen oder auch Verständnis mehr bedeutet, als sich einer anderen, vermeintlich professionell recherchierten Berichterstattung anzuschließen und diese möglicherweise zu seiner eigenen Meinung zu machen. Eine solche Vorgehensweise kann und wird niemals ausreichen, sich auch nur ansatzweise an den Begriff „Wahrheit“ oder realitätsnahe Faktenlage anzunähern. Wobei der Begriff Wahrheit innerhalb jeglicher Information sich bei 
genauerer Untersuchung als widersprüchlich erweist, weil in einer dialektischen Vorgehensweise immer mehrere Wahrheiten in Erscheinung treten können, die auch diametral einander gegenüberstehen können. Artaud hat einmal gesagt: Was ich gerade gesagt habe, ist die absolute Wahrheit, weil ich es selbst gerade erfunden habe. (so ungefähr) 

Beim Vergleich der beiden abendlichen Nachrichtensendungen von ZDF und ARD zur besten 
Sendezeit, fällt auf, dass die vorgetragenen News im Infotainmentkonzept des ZDF im inhaltlichen Wortlaut wesentlich ungenauer, ja beliebiger und auch oft missverständlich angeboten werden, während sich die Macher und SprecherInnen der Tagesschau zumindest sehr bemühen, in Sprache und Inhalt die Newsübermittlung so neutral wie möglich und ohne Deutungshoheit zu vermitteln. Welche Tagesmeldung zu Beginn der Sendung Priorität hat, unterscheidet „heute“ und „Tagesschau“: wird ein Gespräch der Kanzlerin mit Wirtschaftsbossen oder ein fast sinkendes Flüchtlingsschiff gezeigt, würdigt man einem hochkarätigen sportlichen Erfolg oder steht ein Anschlag mit zahllosen Toten irgendwo im Nahen Osten im Fokus? 

Ob eine Nachrichtensendung wie bei beiden Öffentlich Rechtlichen Sendeanstalten mit knapp fünfzehn Minuten informativer und „wertfreier“ ist als beispielsweise die Dauernachrichtensendungen von n-tv oder n24, die alles an Tagesgeschehen in politischer wie kultureller Bedeutung wort- und bildreich und vor allem boulevardesk zu erklären versuchen, ist eine weitere wichtige Frage in der Beurteilung innerhalb der Informationsversorgung. Wer wirklich Hintergründe und kompliziertere Verflechtungsanalysen erfahren möchte, wird weder bei einer Viertel- noch bei einer Stunde und schon gar nicht in 24 Stunden Permanentberieselung den wahren Sachverhalten auf den Grund kommen und essentiell Verwertbares finden können. Im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen werden allerdings zu wichtigen und Erklärung bedürftigen Themen spezielle Formate angeboten, die sich dann zu späterer Stunde gegen die Konkurrenz seichter oder beliebiger Unterhaltungssendungen (vor allem im Free-TV) durchsetzen müssen. (Was die privaten Sender betrifft, kann ich mir kein triftiges Urteil über deren Qualität erlauben, weil ich mir diese Seichtigkeit des Daseins nicht antue). Die Einschaltquoten zu später Stunde sprechen aber eine eindeutige Sprache gegen die meistens gut recherchierten und realisierten Aufklärungs- und Investigationsformate, zumal die deutsche Fernsehlandschaft zweigeteilt ist. 

Logischerweise verfolgen die privaten Sender wie RTL, SAT1 oder proSieben eindeutig dem Profit geschuldete Interessen, schließlich geben die Werbetreibenden nur Geld aus, wenn die Quote stimmt und daher können und wollen sich deren Programmdirektoren manches aus der aufklärerischen Langeweile der politischen Berichterstattung wegen ihrer Bezahlklientel nicht erlauben. Manche Werbekunden üben sicherlich auch Druck aus, wenn es vermeintliche Interessenkollisionen zwischen Produktwerbung und Produktqualität geben könnte. Wer für die Bundeswehr Werbeclips ausstrahlt, wird das Verteidigungs- und Wirtschaftsministerium bei Waffengeschäften dubioser Art beispielsweise nicht so schnell an den Pranger stellen, wenn es nicht unbedingt aus zwingenden Gründen notwendig ist. Dementsprechend sieht die Programmgestaltung der Privaten aus: Comedy, scripting Reality, B-Pictures und B-Serien aus den USA und immer wieder Gerichts- und Krawalltalk. In diesem Zusammenhang muss die Frage gestellt werden, für welche Zielgruppen, diese bildungsfernen, niveaulosen und zynischen Sendungen eigentlich gedacht sind. Und wenn man den Quoten glauben kann, sitzen massenweisse Zuschauer vor ihren Glotzen. Dem gegenüber steht das Beispiel "arte" und macht Hoffnung, auch wenn dessen Programmstruktur zwar landläufig als bildungsbürgerliche oder „überkandidelte“ Sonderversorgung verspottet wird. arte ist immer noch ein Nischenprogramm, geprägt vom europäischen Gedanken und im Sinne des Bildungsauftrages konzipiert. Dieses Konzept ist beispielgebend und wie bei arte Programme gestaltet werden, wäre zumindest für alle anderen Öffentlich Rechtlichen ein lehrreiches Beispiel. Der Mut, sich nicht zu scheuen, abends „heiße Eisen“ anzufassen und auch bisweilen in Themenabenden mehrere Stunden für eine spezielle oder brisante Problematik anzuberaumen und in Podiumsdiskussionen wie Dokumentationen das Bemühen zu zeigen, ist dem demokratisch relevanten Informationsbegehren geschuldet. Das gilt ebenso für alle kulturellen Angebote, die bei den Öffentlich Rechtlichen inzwischen in den späten Abend verschoben wurden oder immer weiter beschnitten werden. Diese Maßnahmen widersprechen dem demokratisch legitimierten Anspruch und ihrer Verpflichtung, im Rahmen der Rundfunk- und Fernsehgesetzgebung zu handeln. Was die privaten Sender anbieten, darf kein Maßstab sein, auch wenn das immer wieder zitierte Quotenbarometer mächtig Druck ausübt. Wer sagt denn, dass die Menschen nur mit Degetoschmonzetten, fragwürdigen Quizzsendungen oder volkstümelnden Singspielen zufrieden zu stellen sind? Mit einem neuen konzeptionellen Ansatz der Programmgestaltung im Sinne einer spannenden und inhaltlich ausgewogenen 
Formatvielfalt könnte Überraschendes erreicht werden. Schließlich geht es um die von allen Haushalten eingeforderte Gebühr, mit der der Zuschauer das Fernsehen und den Rundfunk bezahlt und somit Geld gebender Vertragspartner ist. In den Subprogrammen Neo, einsplus, einsfestival, alpha oder zdf-kultur entstehen so manche Formate, die auch im Ersten wie im Zweiten gute Chancen hätten, interessierte Zuschauer zu finden. Ebenso bieten die Dritten Programme einiges, was per einfachen Tastendrucks an der Fernbedienung auf den Bildschirm gelangen kann, obwohl eine Überprüfung der real verträglichen Daseinsberechtigung der ca. 10 Regionalanstalten im Hinblick auf die Kosten/Nutzeneffizienz sicherlich bemerkenswerte Rückschlüsse bieten würde. 

Gut oder informativ realisierte Beiträge gab es auch als mediale Fortsetzung oder Begleitkommentierung der sogenannten Willkommenskultur, über die rechtspopulistischen Angriffe und Ausschreitungen sowie der analytischen Auseinandersetzung durch Fachleute oder Dokumentationen reichlich, wobei die permanente Debatteninszenierung in den hinlänglich bekannten Talkshows im Prinzip wenig zu einer sachlichen und fairen Diskurskultur beigetragen haben. Die immer gleichen Sprachrohre oder Medienexhibitionisten der einzelnen Parteien und politisch gefärbten Organisationen und die selbstreferentiellen Experten aus dem Bereich der gesellschaftspolitischen Wissenschaften drehen sich mehr im Kreis oder um sich selbst, als dass sie adäquate Antworten auf die Fülle der Fragen liefern würden. Eine Sendung, die sich selbst als „hart aber fair“ bezeichnet und dem Zuschauer suggeriert, dass der Name nicht nur Programmatik, sondern auch Auftrag im Sinne der aufzuklärenden Zuschauer sei, lässt den parteilich programmierten Worthülsendrechslern und Phrasendreschern viel zu viel Raum und das gilt vor allem für fragwürdige Gestalten, deren politische Haltung zumindest weit außerhalb unserer Grundwerte mäandern. Die immer gleichen, eloquent auftretenden Dauertalkgäste redeten in der Vergangenheit manches nützliche und im Sinne der Wahrheitsfindung ehrliche Statement weniger redegewandter Gäste schlichtweg an die Wand. Das Auftreten bestimmter Parteigänger mit gebetsmühlenartig vorgetragener Zwangsrhetorik, die offensichtlich nie über den Tellerrand ihrer Parteiideologie hinausgeschaut hatten, konnte man als Zuschauer nur als peinliche Zumutung ertragen. Wer im Dschungel der Formulierungen und scheinbar wissenschaftlich fundierter Exegese auf Hintergründe und historische Zusammenhänge gehofft hatte, war besser beraten, die Flimmerkiste auszuschalten und sich nur noch mit dem gedruckten Wort auseinanderzusetzen. Hinzu kam die Unfähigkeit und auch Arroganz vieler Protagonisten dieser „Laberrunden“, sich streitbar und seriös mit den einzelnen Themenkomplexen auseinanderzusetzen, das betraf vor allem eine fundierte und insistierende Gegenpositionierung zu Vertretern demagogischer und offen rassistischer Lautsprecher aus den Reihen von Pegida, AfD und Co. 

Wir müssen uns klar machen, dass diese Leute da sind und auch einige Zeit da bleiben werden, dass sie den in sich verkrusteten, etablierten Parteien die Wähler wegnehmen und der breiten Öffentlichkeit simple, gut verdauliche Scheinrezepte oder -lösungen liefern, die einigen enttäuschten und sich verlassen fühlenden Bürgern nur allzu gut munden. Denn die Demagogie und die populistischen Phrasen fallen auf den fruchtbaren Boden all derjenigen, die sich dann selbst als schweigende Mehrheit bezeichnen oder sich kommunikativ irre geleitet von der 
gesellschaftlichen Wirklichkeit abgehängt sehen. Jeder weiß inzwischen, dass mehr wütende Poltergeister a la Pegida in Dresden leben und montags hetzende Parolen schreien als es in ganz Sachsen Moslems gibt. In diesem Zusammenhang muss man sich die Zielsetzung dieser Menschen vor Augen führen, die sich selbst Pegida nennen: Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes. Diese anachronistische Bezeichnung sagt im Zeichen einer Turboglobalisierung und einer nach Neuordung strebenden Welt alles über die Geisteshaltung zumindest der Organisatoren aus. Der im Prinzip kryptische Satz: Wir schaffen das, ist sehr lange, viel zu lange nur oberflächlich im Sinne des Wortlautes hingenommen worden, die Bedeutung dass das „Merkelsche Wir“, eigentlich eine mit nichts zu begründende Problemverschiebung auf das „ihr“, das „uns“ bedeutet, wird im Rahmen der großen Integrationsdebatte vor allem durch die bürokratischen Regularien zu einer schweren Bürde, die vorher keiner sehen wollte. Die Ausmaße dieses wohlwollend nachhaltig klingenden Statements nach sich ziehen würde, wurde entweder falsch verstanden oder allzu naiv bewertet, weil die gesetzlichen und sozialen Folgen leider ausgeblendet wurden. Natürlich können wir das schaffen, wenn wir unser Land und die ca. 82 Millionen Einwohner zu 1-2 Millionen Neuankömmlingen aus nahezu unbewohnbaren, völlig zerstörten Ländern in Vergleich setzen. Übrigens ist es uns nach dem zweiten Weltkrieg gelungen, wenn auch zwangsweise, Millionen Sudetendeutsche und Ostpreußen bei uns innerhalb eines Jahres aufzunehmen und binnen weniger Jahre erfolgreich zu integrieren, wenn auch gegen viele Widerstände bei der damals selbst hilflosen und überforderten westdeutschen Bevölkerung. Bei einer Bevölkerungsdichte von 226 Einwohnern in Deutschland pro qkm bei ca. 360.000 qkm Gesamtfläche (im Vergleich: Libanon mit 563 Einwohnern pro qkm bei ca. 10.500 qkm und einer aufgenommenen Flüchtlingszahl von ca. 2 Millionen vor allem aus dem Nachbarland Syrien). Mit dem Statement „Wir schaffen das“ war auch das Signal für die kriegs-, armuts und hungerverelendeten Länder verbunden, dass man in Deutschland aufgenommen werden würde, zumal sich alle anderen Länder bis auf wenige Ausnahmen wie zeitweise Schweden gegen größere Einwandererzahlen sträubten, der ehemalige Ostblock oder die Satellitenstaaten des Warschauer Paktes weigerten sich zum Ende 2015 gänzlich und jene Nachbarstaaten von Syrien und dem Irak wie Saudi-Arabien, die Emirate oder der Iran, die Geld und Raum genügend zur Verfügung hätten stellen können, machten ihre Grenzen ganz dicht, auch weil die religiösen Differenzen, eines der Grundübel des aktuellen Krieges, zwischen Sunniten, Schiiten, Wahabiten und Aleviten als Grund herhalten müssen, den Opfern des großen Nahostkrieges eine neue Perspektive des Bleibens oder Kommens zu bieten. Der wahre Grund liegt aber auch in den Bündnisfragen und den geostrategischen Überlegungen oder Hindernissen der gesamten Region. Allein die Tatsache, dass das Putin-Russland den obersten Kriegsverbrecher aus Syrien Assad mit militärischer Unterstützung künstlich an der Macht hält, indem alle unliebsamen Feinde des Assadregimes bekämpft werden, spricht Bände über die aktuelle weltpolitische Lage. Das gilt ebenso für die Schiiten Teherans, die Assad auch nahestehen und für die Saudis, die alle Schiiten in der gesamten Region am liebsten entmachtet oder vertrieben sehen würden. Das selbst ernannte Kalifat Daesh hingegen, welches mit seiner Schreckensstrategie jenseits aller humanitären Konventionen und moralisch-ethischen Grundsätzen menschlichen Zusammenlebens mordet, vergewaltigt, zerstört und die Welt mit Terrorismus in Atem hält, wird zwar seit den Anschlägen in Paris von einer größeren Militärkoalition aus USA, Frankreich, Italien und Großbritannien per Luftschläge bekämpft, aber bislang haben nur die von der Türkei nicht anerkannten Kurdenverbände entscheidende Siege gegen diese Mordbrenner verzeichnen können. Die Kalifat-Marodeure sind die Profiteure in der unseligen Gemengelage im Irak und Syrien. Diese Tatsache ist ein Armutszeugnis für alle in diesem Konflikt involvierten außerterritorialen Mächte. Auch wenn sich bei der aktuellen Münchner Syrienkonferenz irgendeine Annäherung herauskristallisieren sollte, was angesichts der allseits verfeindeten Kommissäre der vielen Interessengruppen wenige Chancen hat, wie es die Kommentare der Presse und der Emissäre selbst zeigen, wird dieser Krieg noch lange nicht beendet sein. Bei genauerer Betrachtung betrifft der Nahostkrieg die gesamte Welt, denn der Bürgerkrieg zwischen Assad und unterschiedlichen Rebellentruppen wie der Terror der Daesh-Mörder macht weder vor Washington noch vor Moskau oder Peking halt, wenn sie es denn wollen und dass sie es können, wissen wir. 

Gleichermaßen sind die Flüchtlingskolonnen, die aus den unbewohnbaren und unterversorgten Zonen Syriens oder dem Irak die lebensgefährlichen Schleuserreisen auf sich nehmen, keinesfalls ein nicht zu korrigierendes Faktum, sondern im derzeitigen Stadium als eine seit Jahren menschenverachtenden Politikstrategie aller Mächte zu bewerten, die weder den syrischen Krieg, noch den Krieg des Daesh gegen alle und jeden in den Griff bekommen hat. Die Gründe für dieses Versagen liegen einerseits in den innenpolitischen Machtfragen der einzelnen im Krieg befindlichen Staaten oder aufständischen Gruppierungen und den wirtschaftlichen Interessen der Industriestaaten Europas sowie der USA und Russland, die oft aus historisch begründeten Ängsten lieber hundertausende Menschen opfern als endlich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu handeln und weiteres Elend und Blutvergießen zu beenden. 

Um die völlig verworrenen Gemengelage aber genauer verstehen zu können, muss man auch die historischen Ursachen des gesamten Dilemmas umfassend betrachten. Und das liegt in der neueren Geschichte begründet, weil der Nahe Osten insbesondere nach die willkürlichen Grenzziehungen des Sykes-Picot-Plan 1919 und den widersprüchlichen, falschen und im Sinne der Gewinnermächte abgesegneten Verhandlungsergebnisse der sogenannten Pariser Friedenskonferenz nach Ende des 1. Weltkrieges bis heute ein instabiler und desolater, politischer Raum geblieben ist. 

LeNoir

 

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