11/14/2014 15:31

Königliche Paläste, geadelte Künste, Verpflichtung zum Frieden

Kategorie: Kultur in der Wahrnehmung, Texte zur Kunst

Wijnhavenquartier

„Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande.“ Andrew Carnegie (1835 in Schottland;
gestorben 1919 in Lenox, Massachusetts) US-amerikanischer Industrieller. 

 

Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg. Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine
Neigung zu Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit
. Baruch Spinoza, Geboren 1632 in Amsterdam, gestorben 1677 in Den Haag. 

 

 

Beide Persönlichkeiten der Zeitgeschichte stehen in direkter Verbindung zur Hauptstadt der Niederlande, der eine arbeitete und lehrte in deren Mauern als Philosoph, der andere schenkte der Stadt 1913 den Vredespaleis (Friedenspalast), heute Sitz des Internationalen Gerichtshofs, des Ständigen Schiedshofes, der Haager Akademie für Völkerrecht und einer bedeutenden Völkerrechtsbibliothek. 
Wer sich nach Den Haag begibt, stößt immer wieder auf das Lebenswerk des einen wie des anderen, wobei beiden der Kampf um Frieden und Gerechtigkeit auf der Welt gemeinsam ist. Wer sich mit dem Thema Frieden oder Friedensforschung beschäftigt wird in Den Haag fündig, wem Kunst, Architektur und Kulturwichtig sind, wird überrascht sein, was der Regierungssitz und die königliche Residenz der Niederlande alles zu bieten hat, auch wenn man schon weiß, dass die überaus berühmten Gemälde von Vermeer, ter Borch, Frans Hals und Rembrandt im Mauritiushuis hängen und das Gemeentemuseum wichtige Kunstwerke von Piet Mondrian beherbergen. 
Wer sich lieber in Scheveningen am Meer tummelt, fährt mit der Tram direkt bis Kikdujn und kann sich den Wonnen des Strandlebens eines der berühmtesten Seebäder hingeben. Zwischen Den Haag und Scheveningen befindet sich auch Madurodam, eine niederländische Miniaturstadt auf 18.000 m² im Maßstab 1:25, die man zu Fuß, die Gebäude auf Kniehöhe, erkunden kann. Manchen ist es Kitsch, was hier aufgebaut wurde, für Kinder ist es allemal ein Erlebnis. 
Aber wer weiß schon, dass Den Haag oder s`-Gravenhage offiziell keine Stadt ist, da ihr niemals Stadtrechte verliehen wurden und im 19. Jahrhundert die Kennzeichnung in Dorf oder Stadt verwaltungstechnisch gegenstandslos war, im übrigen befindet sich in Den Haag zwar der Regierungssitz der Niederlande, aber Amsterdam ist die offizielle Hauptstadt, allerdings ohne Machtbefugnisse und Amsterdam zeigt alle Attribute einer geschäftstüchtigen und vom Handel verwöhnten Metropole. Das war den Stadtoberen bewusst und seit ca. 20 Jahren geht man auch in Den Haag neue Wege. Mit dem Projekt „Den Haag Nieuw Centrum“ soll sich das ändern und neue Investoren anlocken, die die ökonomische und 
kulturelle Bedeutung viel mehr Gewicht geben sollen.
Den Haag ist der offizielle Sitz der niederländischen Regierung, Wohnsitz des Königs, doch im Vergleich zu den benachbarten Städten Amsterdam und Rotterdam wirkt die ca. ein halbe Millionen Einwohner zählende Stadt ein wenig provinzieller, aber auch entschleunigter und entspannter. Dabeibietet die Stadt großen kulturellen Reichtum, dass sie sich keineswegs hinter den beiden anderen Großstädten verstecken muss.  
Wenn man sich die Geschichte der Stadt näher vor Augen führt, muss man bis ins 11. Jahrhundert 
zurückgehen. Dort, wo der heutige Binnenhof ist, stand ein Dorf, welches von den Grafen von Holland gelegentlich aufgesucht wurde. 1248 erbaute Graf Wilhelm II. von Holland an diesem Ort ein Schloss. Sein Sohn, Floris V., ließ diese Arbeiten zu Ende führen. Im 14. Jahrhundert war „Die Haghe“ die Residenz der Grafen von Holland. Nach 1648 wurde Den Haag Residenz der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Großer Wohlstands kennzeichnete diese Periode und in dieser Zeit wurde von Johann Moritz von Nassau das Mauritshuis erbaut. Danach, zwischen 1750 und 1900, wuchs die Stadt, viele Palais, Herren- und Stadthäuser entstanden und für die Bevölkerung entstanden Siedlungen rund um das Stadtzentrum. Über 300 Jahre ist Den Haag von kriegerischen Verwüstungen und Eroberungen verschont geblieben, erst im Zweiten Weltkrieges okkupierten die Armeen der Naziregimes die Stadt, die aber bis zur deutschen Kapitulation nur wenige nennenswerte Zerstörungen hinnehmen musste.Den Haag ist, wie schon erwähnt, die drittgrößte Stadt der Niederlande, nach Amsterdam und Rotterdam. 508.322 Einwohnern zählt die Stadt auf nur 98,20 Quadratkilometern. Im näheren Umkreis befinden sich Delft, Gouda, Scheveningen und natürlich im Süden die große Hafenstadt Rotterdam. Alle Städte sind problemlos in kurzer Zeit mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, was einen kurzen Mehrtagestrip in die Stadt noch attraktiver erscheinen lässt.
Mit dem Zug erreicht man Den Haag im Centraal Statie, dem neu errichteten und noch nicht fertig gestellten Bahnhof der Stadt, der unterirdisch in einem großen Neubaukomplex südlich der City liegt. Neben dem Terminal ragen die Türme Hoftoren, Zurichtoren und Castalia in den Himmel, allesamt architektonische Schmuckstücke, die in einem angenehmen Kontrast zu den mittelalterlichen, barocken, klassizistischen und Renaissancebauten wirken. Der Hoftoren ist mit 142 m das dritthöchste Gebäude Haager Hochhaus. Die Einwohner der Stadt nennen es der Form wegen „de Vulpen“ (auf deutsch: Der Füller). Vielleicht aber auch, weil das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft in diesem Hochhaus residiert. Mit 146 m Höhe schließen sich im Wijnhavenkwartier, oder dem so genannten „Neuen Centrum“ respektive Spuiviertel, die Ministerien für Justiz und das Innenministerium an. Die neuen Architekturtürme haben die  Bezeichnungen Zurichtoren (citruspers=Zitronenpresse), Het Strijkijzer oder Haags Toren, The Hague Tower, JUBI Kavel oder de Kroon. Dabei muss man wissen, dass an diesem Platz die Wohnsiedlung „de zwarte madonna“„ stand, die im Jahre 2006 abgerissen wurde, um den neuen Bauplänen für dieses Zentrum zwischen Turfmarkt und Prins Bernhard-Viadukt Raum zu schaffen. 
Diese „schwarze Madonna“ (Im Volksmund: Leichenhalle, Bunker, Taubenschlag oder Sarg - benannt nach einer Folge in einer amerikanischen Krimiserie) war einer der bekanntesten Wohnanlagen in den Niederlanden. Es hat Jahre eines tiefgreifenden und nicht unumstrittenen Konfliktes zwischen der Gemeinde und den Bewohnern gedauert bis der Abriss vollzogen werden konnte. Prägnant ragen zwischen den Wolkenkratzern die beiden spitzwinkeligen Dachformen der 104 Meter hohen Castalia, dem Ministerium für Volksgesundheit, Gemeinwohl und Sport, im Volksmund die „Titten Den Haags“ (tieten van Den Haag) genannt, empor.
Ganz bewusst habe ich mit dem neuen, dem sehr modernen Teil der Stadt begonnen, weil im allgemeinen Den Haag mit vollkommen anderen Bildern oder Vorstellungen verbunden wird. Der Name der Stadt ist so eng wie kaum ein anderer mit dem Begriff des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt verbunden, wir kennen alle die Bilder im Fernsehen, wenn Nachrichten über Menschenrechtsprozesse im Friedenspalast oder im Palast der Konventionen gezeigt werden. Der internationaler Strafgerichtshof wurde durch das Rom-Statut vom 17. Juli 1998 dort eingesetzt. Auf den Haager Friedenskonferenzen 1899 und 1907 wurden kriegsvölkerrechtliche Regelungen wischen den entscheidenden Mächten Europas und der Welt abgeschlossen. Sie beinhalten die wichtigen Bestimmungen des Völkerrechts und wurden durch die Genfer Konventionen 1949 noch wesentlich ergänzt. An der Johann Wittlaan, unmittelbar nördlich des Parkes „De Scheveningse Bosjes“ gelegen, befinden sich außerdem die imposanten Gebäude des World Forum - Animecon, das größte Theater Europas, das OPCW, der Organisation für das Verbot chemischer Waffen, der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und einige hundert Meter weiter liegt Europol. An der Churchillplein stehen auch große Hotels wie das Crowne Plaza, das Novotel und das World Hotel Bel Air.
Zentraler und visuell einzigartiger Höhepunkt all dieser im weitesten Sinne mit Frieden, Ahndung von Kriegsverbrechen oder Menschenrechten verbundenen Organisationen ist der internationale Gerichtshof im Friedenspalast. 
Wer die Rathäuser mit einem wie zum Beispiel in Belfried in Arras, Calais oder Sint Niklas schon einmal gesehen hat, findet unmittelbar einen visuellen Zugang zu dem im Stil der Neorenaissance im roten Backsteinmauerwerk erbauten Palastes. Inmitten einer gärtnerisch gestalteten Parklandschaft strahlt der heutige Sitz des Internationalen Gerichtshofs, des Ständigen Schiedshofes, der Haager Akademie für Völkerrecht und einer bedeutenden Völkerrechtsbibliothek Dominanz und Wehrhaftigkeit aus. Vor dem Eingang hat man in einem Dokumentationszentrum eine permanente Ausstellung über die Geschichte der Friedensbewegung und die im Friedenspalast ansässigen Institutionen untergebracht. Eine mit Audioguide geführte Tour an den Schautafeln entlang lohnt sich gerade jetzt, wenn wir dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren gedenken. Leider konnten wir den Palast und seine Innenräume nicht besichtigen, weil es samstags geschlossen ist. Die Anlage und das Gebäudeensemble gruppieren sich quadratisch um einen Innenhof und auch wenn die Innenausstattung als der Kunstepoche entsprechend eklektisch beschrieben wird, scheint es doch sehenswert zu sein, die Gestaltung einer Architektur zu sehen, die speziell für das Thema Frieden gebaut wurde. 
Am Eingangsportal, vor den schmiedeeisernen Zäunen, flackert die ewige Flamme, in einem Marmorblock eingeschlossen. Die erste Friedensflamme wurde 2002 entzündet. „May all beings find peace“ ist in den Stein eingraviert. Das kleine Mahnmal ist vom Weltfriedenspfad umgeben. 196 Steine, aus ebenso vielen Ländern, auf dem Boden liegend, umrunden diese Stele. Ein Steinbrocken stammt aus der Berliner Mauer, ein anderer von der Robben-insel, der Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela 27 Jahre eingesperrt war.
Wer mit dem Auto anreist, gelangt über die Autobahn A12 unmittelbar in die Nähe der City, wo die Autobahn aufhört. Hier ist der Park „De Haagsche Bosch“. Links abbiegend erreicht man nach ca. 1 km den Binnenhof und den Stadtteil Vorhout, wo südlich des Hofwijver, einem lang gestreckten Teich, der Rittersaal und das Mauritiushuis (Mauritiusmuseum) steht. Ganz in der Nähe liegt das Historische Museum, aber vor allem ist ein Besuch im Mauritiushuis immer erste Wahl. Wer Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“, Rembrandts „Die Anatomie des Dr. Tulp“ und seine eindrucksvollen Selbstbildnisse, „Het huishouden“ von Jan Steen oder Hans Holbeins „Porträt einer jungen Frau“ sehen will, muss diese einmalige Kollektion alter Meister unbedingt gesehen haben. Dabei sollte sich der Rundgang nicht nur auf die bekannteren Künstler beschränken, sondern das gesamte Gebäude mit all seinen 
wundervollen Werken ist Balsam für jede „von der Malerei begeisterten Seele“. Unmittelbar anschließend zu dem Museum steht auf großflächigem Areal der alles dominierende Binnenhof. Durch zwei Torbögen schreitend, öffnet sich ein imposanter Innenhof, der burgähnlich von aneinander gereihten Baugruppen wie von einer Mauer umgeben ist. Auf diesem Platz steht der Rittersaal mit seinen zwei flankierenden Türmen, die eher an einen Sakralbau erinnern. In einigen Teilen sind Ministerien oder Parteizentralen untergebracht, bis 1992 befand sich dort auch die erste Kammer des niederländischen Generalstaaten, vergleichbar mit dem Bundesrat, die heute in einem neuen großen Gebäudekomplex südlich des Binnenhofes untergebracht ist, wo sich neben der ersten Kammer auch viele andere parlamentarische Einrichtungen befinden. Die Geschichte des Binnenhofes geht bis ins 12. Jahrhundert zurück, angeblich stand dort das so genannte „Rolgebouw“ (Gerichtsgebäude). Urkundlich bewiesen ist aber, dass Graf Wilhelm II. von Holland 1250 an dieser Stelle mit dem Bau eines Schlosses begann.
Verlässt man den Binnenhof gelangt außerhalb zum Buitenhof, nachdem den verkehrsreichen Hofweg überquert hat. Dieser „Aussenhof“ wird von Geschäften und Cafés umsäumt und am anderen Ende beginnt mit der Gravenstraat das Einkaufsviertel der Stadt, das einen Bummel durch viele kleine Gassen und Straßen geradezu herausfordert. Von dort aus sieht man schon die Grote Kerk, die des heiligen Jakobus, die als Stadtkirche von Den Haag bezeichnet wird. Die ehemals gotische Hallenkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit und nach Bränden sowie Bauerneuerungen ist die Renaissance ebenso vertreten wie die Neugotik. Das Glockenspiel, mit inzwischen 51 Glocken, deren Größte, Jhezus genannt wird, gehört zu den größeren Glockenspielen der Niederlande. 1941 wollten sich die Nazis dieses Glockenspiel widerrechtlich aneignen, der Versuch scheiterte aber, weil das gesamte Ensemble nicht aus dem Turm heraus zu bewegen war.
Am Buitenhof, in der Gravenstraat und in einigen weiteren Straßen dieses Viertels trifft man auf Häuser, die von dem bekannten niederländischen Architekten Hendrik Petrus Berlage (1856 - 1934), dem in unserem Nachbarland wahrscheinlich das gleiche Renommee zuteil wird wie bei uns Walter Gropius oder Bruno Taut oder in den USA Frank Lloyd Wright.Der vielen seltsam anmutende Kiosk mitten auf dem Buitenhof-Platz wurde ebenso in seinem Atelier entworfen wie ein rotes Backsteinhaus mit auffälligen Markisen auf der Gravenstraat. 
Von der Gravenstraat führt einer der schönsten Passagen über einen stumpfen Winkel bis zum Hofweg. Dieser von einem Glasdach überdachte „chice Einkaufstunnelbazaar“ im Neorenaissance-Stil erbaut,  wurde zum ersten Mal im Jahr 1885 eröffnet. In  der Mitte, am Scheitelpunkt des Winkels, thront eine prachtvolle gläserne Kuppel über dem Glanz dieses Konsumtempels. Verlässt man die Passage und betritt den Hofweg, erreicht man, südlich wandernd, das Stadthuis von DenHaag, ein riesiger, weißer, sehr puristisch designter Bau des Architekten Richard Meier, der bei uns das Arp Museum und die Kunsthalle Baden-Baden entworfen hat. 1986 begonnen und 1995 fertiggestellt. Die Ausmaße des neuen Gemeinschaftszentrums oder Rathauses verdienen die Bezeichnung Dimensionen zu recht, der strahlend weiße Komplex umschließt ein großes Atrium. Mit 42 Meter Höhe und 12 Geschossen, die über frei zugängliche Stege oder Pasarellen begehbar sind, entstand die Gefahr, dass sich Besucher hinunterstürzen könnten. Netze schufen 2003 Abhilfe. Das Gebäude beherbergt neben diversen Verwaltungseinrichtungen auch die große Stadtbibliothek. Im Volksmund wird das Gebäude «IJspaleis» genannt, auch dieser Name braucht nicht auf Deutsch übersetzt zu werden. 
Vom Stadtzentrum Den Haag sind es ca. 4-5 km Luftlinie bis Scheveningen und an die Strände der Nordsee, was die Einwohner der Stadt sowie die vielen Besucher als qualitativen Standortvorteil zu schätzen wissen. Mit den Tram 1 und 17 gelangt man in kurzer Zeit ins Zentrum des Küstenortes. Scheveningen ist das Seebad schlechthin, wenn man von den holländischen Küsten redet. Das Museum Beelden aan Zee zeigt moderne Skulpturen, auch auf einer Freifläche entlang des Boulevards. Das Kurhaus am Strand wurde 1884–85 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Als international renommierter Kur- und Ferienort ist dieses größte Seebad der Niederlande mit zwanzig größeren Hotels, Kurhaus, Casino, Fischereihafen das attraktive Reiseziel am Meer. Einmal im Jahr wird ein Sandskulpturen-Wettbewerb veranstaltet. Weit über die Grenzen hinweg ist das Neujahrsschwimmen bekannt, das seit 1951 durchgeführt wird und an dem über 10.000 überwiegend junge Menschen teilnehmen. 
Ziemlich genau auf der halben Wegstrecke erreicht man das Gemeentemuseum und das angrenzende Fotomuseum. Dieser lang gestreckte gelbe Klinkerbau, mit den vorgelagerten Seerosenteichen, den beiden Pylon förmigen Portalsäulen wurde von Berlage erbaut und ist ein weiteres kulturelles Schmuckstück der Stadt. Mit einer der bedeutensten Sammlungen zeitgenössischer Kunst der Niederlande kann sich dieses Museum mit allen anderen Häusern, die sich der modernen Kunst seit Mitte des 19. Jahrhunderts verpflichtet sehen, mehr als nur mithalten. In seiner Art ist es sicherlich weltweit einzigartig. Der Architekturstil und die künstlerische Gestaltung kann man unter den zahlreichen Museumsbauten weltweit als einmalig einstufen, zum einem bewies Berlage mit seinen Formgebungen und den verwendeteten Materialien, dass er sich bewusst von der alten Bauweise und den überkommenen, nicht mehr zeitgemäßen Stilrichtungen des 19. Jahrhunderts radikal lösen wollte, zum anderen schuf er eine großartige neue Zweckästhetik, die wegen der klaren Linien, aber auch mit den sparsamen ornamentalen Verzierungen als wohltuende und einladende Raumgestaltung oder Kontrapunktierung zu allen Baustilen vorher wie nachher heute empfunden werden kann.  Die Mondrian-Kollektion kann man ohne Bedenken als in der Welt einzigartig einstufen. Sie umfasst ca. 300 Arbeiten seines gesamten Schaffens. Das ist beispielhaft, denn es gab oder gibt nur wenige Künstler, die sich immer weiter entwickelt haben, sich teilweise neu erfinden konnten, ihre Handschrift konsequent durchhielten und gleichzeitig immer ein hohes Niveau halten konnten. 
Und die Kuratoren bieten im ständigen Wechsel Ausstellungen in den WOW Wonderkamers an. Kunst wird in einem Spiel neu präsentiert und der Besucher ist einmal der Mittelpunkt des Geschehens. das alles funktioniert mit modernster Technik - mit Tablets. Wer mitmacht, wandert mit dem Finger über die aktive Screenfläche durch die „Wunderzimmer“, wobei Fragen gestellt werden und Aufgaben erfüllt werden müssen. Ein Spaß besonders für Familien und Gruppen. Da jedes Zimmer thematisch unterschiedlich gestaltet wurde, erfährt man in spielerischer, unterhaltsamer und interaktiver Weise, was Kunst, Kunsthandwerk, Architektur, Design und Mode bedeutet oder zu bieten hat.
Wer Den Haag und Scheveningen aus der Sicht des Malers Hendrik Willem Mesdag betrachten will, sollte sich das größte Rundgemälde Europas im „Panorama Mesdag“ anschauen Meer, Strand, Dünen und das Fischerdorf Scheveningen sehen. Das größte Rundgemälde Europas, das „Panorama, Mesdag“, macht es möglich. Das 14 m hohe und 120 m lange Wandgemälde zeigt die Stadt und die Strände, die Promenaden und Gebäude in einer rückwärtsgewandten Zeitreise, nämlich im Jahre 1880. Mesdag zeigt das Strandleben mit einem romantischen Blick und viele dürften bei diesen Ansichten sicherlich sentimental sein, denn so wie es damals war, schien die Welt noch in Ordnung zu sein.Fischerboote kämpfen mit den Wellen, einige sind schon heimgekehrt und werden an Land gezogen, eine Militärübung findet statt und die Sommergäste genießen den weiten Strand, den blauen Himmel und eine Ungezwungenheit, die es so nie wieder an irgendeiner Küste Europas geben wird.Dieses Rundgemälde ist in einem kleinem Palais 
zwischen Seestraat und Alexanderstraat im Nordwesten der City zu finden.
Ein weiteres Museum, welches Erwähnung finden muss, ist das Escher in het Palais - also Escher im Palast. M.C.Escher hat als Grafiker angefangen und erreichte in den Techniken des Holzschnitts, des Holzstichs und der Lithografie meisterliche Perfektion. Aus diesem Können entwickelte er die Bilder, die wir alle kennen, Darstellungen oder Muster mit perspektivischen Unmöglichkeiten, optischen Täuschungen und multistabilen Wahrnehmungs-phänomenen. Escher im Palast zeigt in einer Dauerausstellung seine immer wieder aufs Neue verblüffenden, phantastischen Grafiken. Das Museum ist das ehemalige königliche Winterpalais der Königin-Mutter Emma. Höhepunkt der Ausstellung ist das 7 Meter lange Werk Metamorphose III. Dieser überdimensionale  Holzschnitt führt den Betrachter in eine Wahrnehmungsphase, in der Ewigkeit und Unendlichkeit, Zeit und Raum zu einem organischen Ganzen verschmelzen. In Front des Museums liegt der Park „lange Vorhout“, der als Ausstellungsort für wechselnde Skulpturenthemen dient. 
Für alle, die sich ein genaueres Bild von einer Stadt machen möchten, empfehle ich, einen Aussichtspunkt zu suchen, von dem man alles überblicken kann. Ich brauche diese Bilder aus der „Vogelperspektive“ ohnehin für meine künstlerischen Arbeiten sowie für Vorträge, die anschließend vor einem Auditorium gehalten werden. In Den Haag bin ich mit dem Aufzug in den 42 Stock des „Het Strijkijzer“ oder Haags Toren, The Hague Tower am Huyghenspark mit 132 m Höhe gefahren, von dort aus hat man einen gigantischen Blick von einer abgesicherten Freiluftplattform bis weit nach Scheveningen, Rotterdam und Delft. 
Ausserdem befindet sich dort ein Restaurant mit hohen Glasfronten, welches offensichtlich besonders in den Abendstunden ein sehr beliebtes Ziel ist, weil man von dort das Lichtermeer und die vorbeiziehenden Schiffe bewundern kann. Vieles wäre noch erwähnenswert, aber dieser newsletter soll keine langatmigen Geschichten erzählen, sondern neugierig machen und Anreize wecken, getreu dem Motto „Erleben Sie Europa, so lange es noch so viele Orte gibt, die man gesehen haben sollte. 
Wir sind auch der Meinung, dass man noch vieles entdecken kann und dass die Metropolen wie Paris, London, Rom oder Madrid zwar immer eine Reise wert sind, aber dass in allen Ländern Europas, Städte zu finden sind, die bislang auf keiner Agenda standen oder einfach übersehen worden sind.
Nicht nur die weltbekannten Museen, die Prachtbauten der Hauptstädte oder die Events für das ganz große Publikum sollten den Reisenden leiten, sondern all das, was außergewöhnlich, landestypisch und geschichtsträchtig ist. In Porto, Salamanca, Bordeaux, Rouen, Den Haag, Kopenhagen, Schwerin, Krakau, Triest, Palermo oder Zagreb gibt es so viel zu sehen. Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten, Restaurants mit den originellsten gastronomischen Speisekarten, Geschäfte und Boutiquen, die anderes zu bieten haben als bei uns, weil sie sich der jeweiligen Kultur verpflichtet fühlen, Konzerte mit musikalischen Seltenheiten, die man ansonsten bei uns niemals hören könnte oder aber, was uns ganz wichtig erscheint, die Kommunikation mit den dort beheimateten Menschen, weil es das miteinander Reden ist, was Europa enger zusammenwachsen lässt und Hoffnung gibt, dass unser so vielseitiger Kontinent noch viele Generationen erfreuen wird. 
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und was macht ein galicische Pata Negra Schinken, ein kräftiges Trapistenbier aus den Ardennen oder einen eleganten Brunello erst richtig zum nachhaltigen Genuss: wenn man sie an Ort und Stelle mit all seinen Sinnen in sich aufnimmt.
Wolfgang Neisser, September 2014
 



























 

 

 

 

 

 

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