12/01/2015 11:41

Die Mosaike der Ostgoten oder das arianische Erbe an der Adria

Duomo in Ravennna

 

Die Adria ist noch mehr als das restliche
Italien vielleicht das wahrhaftige Sehnsuchtsland der Deutschen, nicht derjenigen, die bildungsbürgerlich auf Goethes oder Gryphius Spuren Rom, Venedig, Neapel und andere geschichtlich bedeutende Städte Mittelitaliens mit sehnsuchtsvoller
Attitüde aufgesucht haben. Vielleicht ist es eher das Land derjenigen, die nach den ersten Wirtschaftswunderjahren der neuen Bundesrepublik nach Cesenatico, Rimini, Riccione oder Cattolica pilgerten, um nach den Klängen deutscher Schlager wie Marina, o sole mio oder "die Caprifischer" die weit gestreckten Strände zu erobern und getreu dem Motto "der kostbarsten Wochen des Jahres" in der Sonne zu baden, ja zu braten, gelati, pizze oder
spaghetti bolognese zu essen, Lambrusco oder
Campari zu trinken und der grauen deutschen Wirklichkeit eines inzwischen durch und durch kontrollierten, Kräfte zehrenden Arbeitslebens zu entkommen. Nannte man die Strände nördlich und südlich um Rimini nicht auch den Teutonengrill? 

Fünfzig Kilometer vor diesen Badeorten der
klassischen Adria liegt Ravenna am unteren Rande der Poebene und im Landesinnern, lediglich durch
einem elf Kilometer langen Kanal mit dem offenen Meer verbunden. Ravenna, die Stadt Theoderichs und im Prinzip irgendwie auch unserer Ur-ur-ur-
Vorfahren oder waren die Goten nicht von den Gestaden der Ostsee nach Süden marschiert, um Rom zu zeigen, wo der wirkliche Hammer hängt? 

Ravenna ist daher im Prinzip die deutscheste aller italienischen Städte, denn im Nibelungenlied, der deutschesten aller deutschen Legenden oder
Sagen spielt Ravenna eine sehr wichtige Rolle. Die
Epigonen aus dem bekannten Gedicht der
sogenannten Rabenschlacht (Ravenna) und des mächtigen Dietrich von Bern, des historischen
Äquivalents von Theoderich (Bern = Verona, dort wurde Theoderich übrigens geboren) sind die imaginären Helden der wahren Geschichte um Theoderich den Großen und Odoaker und des ostgotischen
Reiches, dessen Hauptstadt Ravenna zwischen 476 und 568 n. Chr. war. Diese Jahre, die von Ravenna aus vor allem durch Theoderich die europäische Geschichte maßgeblich bestimmt worden sind, sind heute noch in jedem Teil der historischen Altstadt Ravennas zu sehen und bei jeder Besichtigung irgendeines der acht Weltkulturerbedenkmäler mit großem Staunen nachzuempfinden. Wer nicht nur die architektonischen Schätze dieser Stadt bewundern will, sondern in die Geschichte der ostgotischen Herrschaftsperiode  eintauchen möchte, findet in Ravenna einen Ort, der in seiner historischen Bedeutung für die europäische Entwicklung eminent wichtig ist. Diesem newsletter ist ein Auszug des Gedichtes "Ravenna" von Oskar Wilde vorangestellt und man könnte ebenso Textfragmente von Lord Byron oder Dante Aligheri finden, wobei Letzterer übrigens in Ravenna verstorben ist und dessen Grabmal in der Stadt zu sehen ist. Vor allem im 19. Jahrhundert gab es viele Schwärmer oder intellektuelle Schöngeister aus Mitteleuropa, die eine sehr persönliche Zuneigung zu der Stadt als Herzensangelegenheit empfunden haben müssen. Johann Joachim Winckelmann, Karl Friedrich
Schinkel, Felix Mendelssohn Bartholdy und natürlich Richard Wagner haben auf ihren jeweiligen Italienexpeditionen in Ravenna zumindest vorbeigeschaut. 

Ravenna liegt 150 km südlich der alles überstrahlenden Renaissancesstadt Venedig, 60 km östlich von Bologna und 100 km von Florenz entfernt an der südlichen Grenze der Romagna. Die Stadt gilt als wichtigste urbane Siedlung der Romagna als Teil der föderalen Provinz Emilia-Romagna. 

Erste urkundliche Aufzeichnungen stammen aus den Jahren 600 vor Chr. als Reste gallischer Siedlungen, die auf den damaligen Laguneninseln als Zufluchtsort genutzt wurden. Während der römischen Kaiserzeit war Ravenna tatsächlich eine Lagunenstadt mit ungefähr 50.000 Bewohnern, eine Ansiedlung unter vielen kleinen Inseln. Schon zu Regierungszeiten der ostgotischen Herrscher wurden die Lagunen trocken gelegt und Ravenna erhielt einen Hafen, der zunächst für die Schiffe der Ostgoten als sichere und strategische Versorgungsanlaufstelle zu bewerten und bis heute für die italienische Wirtschaft von
Bedeutung ist. 1738 entstand der Hafen "Corsini" (Porto Corsini), der die Adria mit der Stadt Ravenna noch verbindet. In der Nachkriegszeit wurden längst des Kanales petrochemische Industrieanlagen
angesiedelt und mit der Entdeckung eines großen
Erdgasvorkommens vor der Küste nahm die
Bedeutung des Hafens noch zu. Wenige Kilometer nördlich des alten Hafens wurde ein noch größeres Hafenterminal erbaut, um größeren Container- und Kreuzfahrt-
schiffe eine Anlegemöglichkeit zu bieten.

All das liegt aber im Schatten der acht bedeutenden Baudenkmäler aus den Zeiten Theoderichs und
seinen Erben, die zu Recht zum Weltkulturerbe erhoben wurden. Es ist wichtig, sich mit der Geschichte Roms und der Päpste, Ravenna als wichtigen Verbündeten von Byzanz, den theologischen und machtpolitischen Auseinandersetzungen zwischen Westrom und Ostrom und dem Arianismus der Ostgoten
dezidiert auseinanderzusetzen, um das gesamte
Gefüge der heute zu besichtigenden Kirchen,
Baptisterien, Mausoleen und Klöstern nicht nur
ästhetisch als Wunderwerk zu vestehen, sondern auch die Hintergründe dieser enormen Bautätigkeit in eine historisch richtige Verbindung zu bringen. Natürlich kann man sich die einzelnen Bauwerke aus rein ästhetischer Sicht anschauen, es würde aber zu einem besseren Verständnis führen, wenn einem die
Zusammenhänge klarer werden. Selbst für einen Historiker wäre es kaum zu bewerkstelligen in
einem Artikel wie diesem eine geraffte Zusammenfassung in verständlicher Weise zu schreiben.
Deshalb stellen wir die einzelnen Bauwerke in chronologischer Folge vor und beschränken uns darauf, Ihnen einen Anreiz zu geben, Ravenna zu besuchen und sich präziser über die geschichtlichen Grundlagen zu informieren.

 

Das 5. und 6. Jahrhundert gilt als die Blütezeit von Ravenna, als der weströmische Kaiser Honorius seinen Hof von Mailand in die Stadt verlegt. Alarich, den wir aus dem bekannten Gedicht "Das Grab im Busento * von August von Platen kennen, belagerte 408 Ravenna vergeblich. Ravenna ist untrennbar mit Theoderich dem Großen verbunden und deshalb wird der Fokus auf diese Zeit gelegt. Theoderichs Name stammt wahrscheinlich aus dem gotischen Begriff Þiuda-reiks, "des Volkes Herrscher" oder "eingedeutschter" Theuderik oder Theoderik. 486 wurde Theoderich vom damaligen Kaiser Zenon
beauftragt, sich gegen den ehemaligen weströmischen Offizier Odoaker zu wenden, der nach der Absetzung des weströmischen Kaisers Romolus Augustus 476 neuer Kaiser Italiens (rex italiae)
wurde. Da Odoakers Macht Zenon zu gefährlich
wurde, belagerte Theoderich Ravenna (Rabenschlacht) zwei Jahre lang und nahm es 493 ein. Er ermordete wenige Tage später den unterlegenen
Odoaker eigenhändig.

Theoderich galt von nun an als Stellvertreter des oströmischen Kaisers in Italien als unabhängig, seine Bemühungen um die Anerkennung seiner Herrschaft durch Konstantinopel erhielt er 497/98 von Kaiser Anastasius. Die Regierungszeit Theoderich prägte eine lange anhaltende Friedensperiode ,die er, der arianische Ostgote durch Glaubensfreiheit aller festigte. Allerdings trennte er die Behandlung seiner Gefolgsleute und Beamten in römische (katholische)Christen) und germanische (arianische) Christen. Bezüglich der "Judenfrage" merkte er an: "Religion können wir nicht anbefehlen, da es niemandem in den Sinn kommen wird, dass er gegen seinen Willen glaubt". Nach seinem Tod 526 zerfiel Theoderichs Reich nach und nach und ein wichtiges Indiz für die Diskrepanz zwischen katholischen und arianischen Christen ist die Tatsache, dass der arianische
Glaube verfemt und nahezu ausgelöscht wurde, was die neuen katholisch geprägten Herrscher auch in der Zerstörung arianischer Kunstwerke manifestierten.

Die Basilika San Vitale zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten der spätantik-frühbyzantinischen Zeit. In ihr verbinden sich Architekturformen aus dem Oströmischen Reich mit für das damalige
Italien typischen Bautechniken. Sie entstand in
einer Zeit des Umbruchs, als der oströmische Kaiser Justinian I. Krieg gegen das ostgotische Königreich in Italien führte. Berühmt ist die als Zentralbau
errichtete Kirche vor allem für ihre Mosaikausstattung im Innern, insbesondere die Porträts von Justinian und seiner Frau Theodora im unteren
Apsisgewände. Für die westeuropäische Architektur erhielt San Vitale wiederum selbst Vorbildcharakter. Die um 800 von Karl dem Großen erbaute Aachener
Pfalzkapelle weist starke Bezüge zu dem ravennatischen Bau auf. Der Frankenherrscher hatte durch seine Eroberung des Langobardenreiches auch Ravenna unter seine Kontrolle gebracht. Der Überlieferung zufolge ließ er Baumaterial, wie z.B. Säulen, von dort nach Aachen schaffen. Karl versuchte wohl seinem eigenen, erst kürzlich errungenen Kaisertum durch solche Rückbezüge auf spätrömisch-byzantinische Traditionen, Legitimität zu verleihen. (wikipedia - 2015)

Das Mausoleum der Galla Placidia ist vor allem berühmt - wie die anderen byzantinischen Kirchen und Bauten Ravennas - durch die Wandmosaiken im Innern. Sie sind ausgezeichnet erhalten und stellen die ältesten Mosaiken Ravennas dar. Im Innern befinden sich prachtvolle Mosaiken, die die gesamte Fläche des Gewölbes und der zentralen Kuppel sowie die Wände an den Seitenenden der vier Flügel bedecken. Die
Sockelzone besteht aus gelbem Marmor. Die Mosaiken sind in spätantiken Stil ausgeführt, besonders plastisch treten Figuren und Landschaftsausschmückungen hervor. Die Gliederung des Baues besteht lediglich aus Blendbögen und Lisenen, die hier zum ersten Mal in der Architekturgeschichte auftreten und später in der
lombardischen Architektur häufig aufgegriffen wurden. Aber es erwies sich am Anfang dieser
Entwicklung als schwierig, solche abstrakte christliche Begriffe wie "Erlösung" oder "Die geistliche Macht der Engel" überhaupt bildlich darzustellen. So kam man u. a. auf die Idee, das materielle und formale Arsenal der bisher schon bekannten Mosaikkunst des Römischen Reiches zwar zu übernehmen, aber dadurch zu erweitern und zu erhöhen, indem man farbige oder vergoldete Glaswürfelchen benutzte und so einen überirdischen Glanz erzielen konnte. Als Bildmotive griff man zuerst auf die bekannten Formen der Spätantike zurück, denen man aber durch zusätzliche christliche Symbole eine andere Bedeutung unterlegte.
Dabei war das Material des Kunstwerkes nicht gleichgültig. Die Dauerhaftigkeit des Mosaiks im Vergleich zu anderen künstlerischen Techniken, besonders des Freskos, konnte auch als Beweis für die ewige Wahrheit des christlichen Glaubens angesehen werden. Man sieht im Mausoleum auf der Lünette das berühmte Motiv des guten Hirten, bei dem die Benutzung vergoldeten Glases besonders intensiv ist. (wikipedia - 2015)

Sant' Apollinare Nuovo ist eine dreischiffige
Basilikalkirche. Das Innere (42 × 21 m) besteht aus drei Schiffen, die von 24 Säulen mit korinthischen Kapitellen getragen werden. Im 16. Jahrhundert
wurden die Säulen um 1,20 m erhöht. Die Apsis wurde 1950 erneuert. Sie war höchstwahrscheinlich mit Mosaiken geschmückt, die während eines
Erdbebens im 7. Jahrhundert zerstört worden waren. Die jetzige Kassettendecke stammt aus dem 16. Jahrhundert. Sie ersetzt die ursprüngliche Decke, die man wegen ihrer prachtvollen Mosaiken Hl. Martin im Goldhimmel genannt hatte.

Die jetzigen Mosaiken stammen aus der Zeit
Theoderichs. Es sind 13 rechteckige Paneele an
jeder Wand, die Szenen aus dem Leben Jesu darstellen. Auf Fensterhöhe befinden sich Gestalten, die auf Grasboden stehen, links ist die Prozession der 22 Jungfrauen in goldbestickten Tuniken mit weißen Schleiern zu sehen, die den Hl. Drei Königen folgen, die sich der Madonna auf einem Thron mit Jesuskind auf dem Schoß, nähern. Auf der rechten Seite sieht man den Zug der 26 Märtyrer, die einfache weiße Gewänder tragen. Nur der Hl. Martin an der Spitze trägt als Patron der Basilika Purpur. Die Märtyrer schreiten auf Christus zu, der auf einem Thron zwischen Engeln sitzt. Christus trägt seit der Restaurierung von 1860 ein Zepter. Ursprünglich hielt er ein offenes Buch mit der Aufschrift Ego sum Rex gloriae (Ich bin der König der Herrlichkeit). Beachtenswert sind noch die Mosaiken, die nahe dem Eingang der Kirche den Palast des Theoderich und den Hafen der Stadt, Classis, zeigen. Aus ihnen wurden nach der Eroberung Ravennas durch oströmische Truppen im Jahr 540 die Abbilder Theoderichs und seiner Höflinge entfernt und durch Bilder von Vorhängen ersetzt; bei genauem Hinsehen kann man allerdings an mehreren Stellen noch die Hände der einst dargestellten Figuren erkennen. (wikipedia - 2015)

Das Baptisterium der Arianer (Taufkapelle der Arianer) ist ein antikes kirchliches Bauwerk. Im Inneren blieb nur die Mosaikdekoration der Kuppel erhalten. Diese ähnelt sehr stark der des Baptisteriums der Kathedrale Ravennas, die wohl als direktes Vorbild diente. Im zentralen Medaillon wird die Taufe Christi im Jordan dargestellt. Der Heiland, vollkommen nackt, wird vom Heiligen Geist in Form einer Taube getauft, gleichzeitig gießt ihm Johannes der Täufer Wasser über das Haupt; die dritte Figur, ein grünes Sumpfrohr haltend, symbolisiert den Fluss Jordan. Da selbst die Genitalien Jesu (ungewöhnlich in der byzantinischen Kunst) erkennbar sind, wird die Darstellung, gemäß älterer Literatur, zuweilen als vom Arianismus beeinflusst gesehen. Ob die arianische Lehre tatsächlich Auswirkungen auf die Ikonographie der Taufszene hatte, lässt sich allerdings wegen mangelnder Vergleichsbeispiele nicht nachweisen. Tatsächlich sind auch auf dem Kuppelmosaik der orthodoxen Taufkapelle Ravennas Jesu Genitalien, wenn auch nicht so gut, zu erkennen. Eine andere, vermutlich die wahrscheinlichere, Ursache dieser Darstellungsform ist die pagane Tradition, die im ausklingenden 5. Jahrhundert durchaus noch spürbar war. In der griechischen und römischen Kunst sind Darstellungen männlicher Nacktheit, besonders im sakralen Bereich, freilich nichts Ungewöhnliches.(wikipedia - 2015)

Das Baptisterium der Kathedrale von Ravenna (auch Baptisterium der Orthodoxen oder
Neonische Taufkapelle genannt) ist das älteste
erhaltene Bauwerk in Ravenna, Italien, jedenfalls was den Baubeginn betrifft. Das Baptisterium (d.h. Taufkapelle) geht auf das 4. oder 5. Jahrhundert zurück, als Bischof Orso mit dem Bau der Kathedrale von Ravenna begann. Es ist ein einfacher Ziegelbau, achteckig und mit großen Nischen, die sich nach
außen hin ausbreiten, mit eingemauerten Türen versehen. Die Mosaikdekoration stammt aus der Zeit von Bischof Neon (von dem sich der Name Neonisches Baptisterium herleitet) in der Mitte des 5. Jahrhunderts (451-475). In der Kuppelmitte befindet sich ein großes Medaillon mit der Taufe Christi. Das
ursprüngliche Bodenniveau lag wesentlich tiefer und ist später um ca. drei Meter angehoben worden, wodurch die Mosaikzone vergleichsweise zu sehr nach unten gezogen erscheint. In der Mitte der Taufkapelle steht ein achteckiger Taufbrunnen aus griechischem Marmor und Purpurstein (13. Jh.). 1500 wurde es neu gebaut, aber einige ursprüngliche Bruchstücke sind noch erhalten. (wikipedia - 2015)

Die Erzbischöfliche Kapelle (Cappella Arcivescovile) befindet sich im ersten Stock des erzbischöflichen Palast von Ravenna und gehört heute zum Erzbischöflichen Museum. "Die Bedeutung
dieses Bauwerks liegt in der Tatsache, dass es als einziges privates frühchristliches Oratorium bis zum heutigen Tag erhalten geblieben ist. Seine
Ikonografie ist wichtig wegen ihrer stark anti-arianischen Symbolik."[1] war das private Oratorium trinitarischer Bischöfe seit Beginn des 6. Jahrhunderts. Gewöhnlich wird sie Petrus Chrysologus zugeschrieben, der 433-450 Erzbischof von Ravenna war, jedoch wurde sie erst von Petrus II. erbaut, der das Amt 494-519 innehatte.(wikipedia - 2015)

Sant'Apollinare in Classe ist eine dem hl.
Apollinaris von Ravenna geweihte Kirche in Classe. Der Bau der Kirche wurde unter Bischof Ursicinus begonnen; am 9. Mai 549 wurde sie von Bischof Maximian eingeweiht. Der reiche Bankier Iulianus Argentarius finanzierte den Bau. Die Bezeichnung in Classe rührt von der antiken römischen Stadt
Civitas Classis am damaligen (später versandeten) Hafen von Ravenna her, der unter Kaiser Augustus zur Verteidigung der gesamten Adria zum zweitgrößten Kriegshafen des Römischen Reichs ausgebaut worden war. Die Stadt wies eine heterogene Bevölkerung mit vielen Zuwanderern aus den östlichen Provinzen des byzantinischen Reiches auf. So kam auch der hl. Apollinaris aus Antiochia gegen Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts hierher. Er rief die erste christliche Gemeinde in Ravenna ins Leben und wurde ihr erster Bischof. Die Basilika wurde über seinem Grab errichtet. In der Mitte des 9. Jahrhunderts wurden seine Gebeine in die Kirche Sant'Apollinare Nuovo überführt, da diese zentral in Ravenna und nicht in der abgelegeneren Hafengegend lag und so vor Plünderungen leichter zu
schützen war. (wikipedia - 2015)

Für viele Besucher von Ravenna ist das Grabmal des Theoderich ein Hauptaugenmerk, was wahrscheinlich darauf gegründet ist, dass dieses Bauwerk und die damit verbundenen Geschichte der Ostgoten ein Relikt des Geschichtsunterrichtes ist. 

Das Mausoleum des Theoderich in Ravenna ist die Grablege des ostgotischen Königs Theoderich, genannt der Große. Das ungewöhnliche Bauwerk, das Theoderich der Große im 6. Jahrhundert n. Chr. vermutlich für sich und die engsten Vertrauten seines Hofstaats hatte errichten lassen, gilt als herausragendste Bauleistung der Ostgoten in
Italien. Der unter dem Namen Anonymus Valesianus bekannte Schriftsteller, der kurz nach Theoderich lebte, schrieb, dass der Gotenkönig "noch zu seinen Lebzeiten sich selbst ein aus behauenen Blöcken zusammengefügtes Denkmal errichtete, für dessen
Abschluss er einen riesigen Stein suchen ließ." Um 520 wurde das Grabmal auf Anweisung Theoderichs, der in Ravenna seinen Hof hatte, als zukünftiges Mausoleum auf dem Friedhof der Goten-Vorstadt errichtet. Es war vor seinem Tod offenbar jedoch noch nicht vollständig fertiggestellt. Der Name des Baumeisters ist nicht überliefert.

Theoderich war dem Glaubensbekenntnis nach ein Arianer. Als 540 die Byzantiner unter General
Belisar Ravenna eroberten und damit der orthodox-
katholische Klerus dort die Oberhand erhielt, wurden die Spuren Theoderichs und des Arianismus nach Möglichkeit beseitigt. Der Kampagne fiel auch der Sarkophag Theoderichs zum Opfer, der als der eines "fluchwürdigen Ketzers" (weil Arianer) aus dem
Mausoleum entfernt wurde.

Hauptsächlich aufgrund von Überschwemmungen war der Gruftraum des Mausoleums lange Zeit halb verschüttet gewesen. Er wurde 1918-1919 wieder ganz freigelegt. Bei den Ausgrabungen traten in der näheren Umgebung des Mausoleums antike Mauerreste und andere Relikte zutage, darunter ein
goldverzierter Brustharnisch.

Das Mausoleum hat einen zehneckigen symmetrischen Grundriss mit einem Kantenabstand von ca. 4,40 Metern und besteht aus zwei Geschossen.

Der Innenraum des Untergeschosses fungierte als Grabkammer und wird von einem Kreuzgratgewölbe überwölbt. Der Gruftraum weist innen vier kreuzförmig angeordnete Nischen auf. In einer der Nischen befindet sich die Eingangstür. Im oberen Teil des Mausoleums steht mittig eine riesige Badewanne aus Porphyr, warum diese Wanne dort steht, konnte nicht herausgefunden werden, zumindest kann sie als schöne Installation mit gewissen Hintergrundsgehalt betrachten.

Ravenna bietet aber noch mehr! Wie schon
erwähnt, würde es einem Reisebericht in Form dieses
newsletters nicht gerecht werden, wenn man die kunsthistorischen und geschichtlichen Zusammenhänge der von der UNESCO zum Welterbe auserkorenen Baudenkmäler so präzise wie möglich beschriebe. Deshalb die Auszüge aus den entsprechenden aktuellsten Texten von wikipedia. Auch wenn man die wissenschaftlichen Texte auf den Stil dieses newsletters umschreiben oder angleichen würde, warum sollte man "das Rad neu erfinden" und wer sich umfangreicher informieren möchte, dem stehen etliche Bücher in guten Bibliotheken zur Verfügung.

Ravenna hat für den geneigten Italienbesucher mehr zu bieten als die sichtbare Hinterlassenschaft der Ostgoten. Auch wenn sich der große mittelalterliche Schriftsteller Dante Aligheri nicht so häufig in
Ravenna aufgehalten haben mag, so ist er doch in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321 in der Stadt verstorben. An der Piazzale Dante wurde ihm ein Grabmal errichtet und im angrenzenden Kloster
Santa Maria installierte die Stadt ein Dante-Museum. Das Grabmal ist zwar stets von Touristen umlagert, bietet aber wenig Spektakuläres, was das Leben und Wirken des Dichters betrifft. Dagegen sind die beiden Innenhöfe des Klosters und der Garten hinter der kleinen Grabeskapelle als kontemplative Stätte der Einkehr absolut sehenswert. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Piazza del Popolo und die Piazza Garibaldi; typisch italienische Plätze mit entsprechenden Osterias, Cafés, Ristoranti und Einzelhandelsgeschäfte gehobener Qualitätszuordnung. Hier,  in kleinen Gassen, Plätzen und verwinkelten Häuserzeilen, spielt sich das zentrale öffentliche Leben der Stadt ab. Garibaldi ist wie in vielen
italienischen Städten auch als Statue verewigt worden, diesmal in weißem Marmor, aber in der gleichen staatsmännischen Haltung wie in Venedig,
Milano oder Firenze.  Die Via Cavour, Weiterführung der Via Maggiore, benannt nach einem weiteren Held der italienischen Geschichte, ist die Einkaufs- und Flaniermeile. Die Preise in den Auslagen der Modegeschäfte sind Indizien dafür, dass es einer gewissen Schicht von Ravenesen ziemlich gut gehen muss.
Ravenna ist von einer alten Stadtmauer umgeben, die an einigen Stellen original erhalten sind. Um früher in die Stadt zu gelangen, war es notwendig, sieben Stadttore zu durchqueren, die rund um die Stadt verteilt
waren. Unweit der größeren Plätze "popolo",
"Garibaldi" und dem "Giardino Speyer" steht im Osten der Stadt der Bahnhof und hinter den Bahngeleisen beginnt das aktuell nahezu unbenutzte innerstädtische Hafenbecken, das mit dem Canale Candiano o Corsini verbunden ist - dem direkten Zugang zur Adria und
dem Hafengelände. Nördlich des Bahnhofes stadteinwärts liegt die Rocca Brancaleone. Nachdem die Stadt in der Mitte des 8. Jahrhunderts in den Herrschaftsbereich des Papstes gefallen war, wurde die Stadt seit 1000 von den
lokalen Adelsgeschlechtern beherrscht. Nachdem die Venezianer im 15. Jahrhundert die Sümpfe um die Stadt trocken gelegt hatten, erbauten sie eine Befestigungsanlage, die sie Rocca
Brancaleone nannten. Unmissverständlich ist der
geflügelte weiße, geflügelte Löwe Venedigs gemeint, der in einem großen Wandrelief keinen Zweifel daran ließ, wer hier das Heft in der Hand hatte.

Die äußerste nördliche Ecke der Anlage beherbergt das Herzstück der Festung, die Rocca oder Ridotto, ein weitläufiges Festungsviereck mit vier dominierenden, runden Ecktürmen, die durch eine Kurtine verbunden waren. Südlich davon liegt die eigentliche Zitadelle, die das Garnisonsquartier, die Waren- und Waffenlager sowie den Marstall beherbergte. Ein
Wassergraben umschloss die Festung, der allerdings heute trocken gelegt ist. In den Sommermonaten wird das Carrée der Rocca zum Freiluftkino und das dazugehörige Programm bietet für Filmfreunde cineastische Leckerbissen.

An der Porta Adriana in der Via Gianbattista Barbiani 

findet man "das Haus der Steinteppiche" (Domus dei Tappeti di Pietra). Durch das Portal der Kirche
S. Eufemia gelangt man in eine frühbyzantinische
Villa aus dem 6. Jahrhundert n. Chr., in der
Archäologen Mosaikfußböden enormen Ausmaßes
gefunden und restariert haben. Man  nennt die Thematik
der Abbildungen "Reigen der tanzenden Jahreszeiten-Genien". Die Böden liegen unter dem Niveau der Straße und man wandelt über Stege, die wiederum mit Glasscheiben durchbrochen sind, um sich die einzelnen Mosaikelemente anschauen zu können. Vielleicht interessiert es einige, dass im Zentrum nicht nur ein sehr hübsches Puppenmuseum von
einer freundlichen jungen Dame betreut wird,
sondern dass es auch ein Marionettenmuseum gibt.

Die Lidi, die Strände, die Italien gänzlich umsäumen, haben auch bei Ravenna ihre besondere Bedeutung. In einer guten halben Stunde kann man sich aussuchen, ob man es eher familiär oder hip will, ob der Strand für Kleinkinder geeignet ist oder ob man weit hinausschwimmen will, man kann zwischen Sonnenschirmen, Badehäuschen oder Strohhütten wählen oder man sucht sich eine Stelle, wo in der Regel wahrscheinlich nur Eingeweihte hinzugehen pflegen. Das Meer ist im August eine Wohltat und auf dem Rücken liegend, vom Salzwasser getragen, völlig losgelöst über sich in den azurblauen Himmel zu schauen und den vereinzelten kleinen Wölkchen nachzuschauen ist und bleibt ein ganz besonderes Vergnügen, was man stundenlang ohne Kosten-Nutzen-Denken als Geschenk der Welt
betrachten kann.

Punta Marina, Lido di Classe, Lido di Dante oder Marina Ravenna - der Strand ist kilometerlang und das Meer wird einen schon finden.

Zehn Kilometer landeinwärts in die Romagna liegt Russi und dort steht das Museo Ettore Sottsas, welches eine umfangreiche Designsammlung der Moderne sein
eigen nennt. Wer es besuchen will, muss allerdings einen
Termin vereinbaren und ob der zustande kommt ist eine weitere Frage. Bagnocavallo liegt nur wenige Kilometer weiter und erlangte Berühmtheit, weil es einen mittelalterlichen ovalen und überdachten Marktplatz hat,
allerdings ist eher enttäuschend, da er zum einem nicht besonders groß ist und zum anderen im Sommer mit Gartenstühlen angrenzender Straßencafés übersät ist.

Da ist der wunderbare Ort Brisighella am Fuße der
Vorappeninen, jede Zeit wert, die man in dieser kleinen Stadt mit den die Stadt überragenden Bergen mit den beiden Kirchen und dem Kastel verbringen kann.

Es ist die Einkehr in die Gelassenheit des Landlebens.
Die hoch über dem Straßenniveau mit Arkaden versehene Via del Borgo im Zentrum von Brisighella erzählt von Eselskarawanen, die durch diese Gänge in die nahe gelegene Vena del Gesso getrieben worden sind. Ein
Mittagessen in einer der winzigen Osterias oder
Trattorias mit einfacher Romagnakost lässt so manchen Gedanken an "La  dolce  vita" am Canale Grande im Duft
des frischen Olivenöls vergessen.

                                                      Wolfgang Neisser

 

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